Geposted am von Katharina Seiger

 



Wenn ich auf mein Studium zurückblicke, kann ich euch direkt sagen, was wir eigentlich am besten gefallen hat: Die Semesterferien.
Versteht mich nicht falsch, ich habe eigentlich gerne studiert, stand mir aber mit meinem Ehrgeiz dabei auch gerne mal selber im Weg. Christin hat mich irgendwann liebevoll zum Bib-Gespenst ernannt, weil ich immer in der Bibliothek war, um zu Lernen. Leider habe ich den Namen nicht nur wegen meiner ständigen Anwesenheit in den heiligen Hallen der ULB bekommen, sondern auch aufgrund meiner fehlenden Gesichtsfarbe.
War nach den unzähligen Stunden in Bibliothek und Hörsaal dann endlich die letzte Klausur für das Semester geschrieben, konnte mich nicht mehr viel in Münster halten. Die Reiselust hat mich dann jedes Mal aufs neue gepackt und wahrscheinlich auch durch die Klausurphase gebracht. Meistens habe ich mir noch am gleichen Tag meinen Rucksack geschnappt und bin zum Flughafen aufgebrochen, um die Welt zu entdecken.

Ihr fragt euch jetzt wahrscheinlich, wie man es sich als Student leisten kann seine Semesterferien in fernen Ländern zu verbringen, wenn man doch eigentlich keine Kohle hat.
Das ist eigentlich nie besonders schwierig gewesen, um ehrlich zu sein.
Zu allererst habe ich eigentlich jede Semesterferien (vielleicht ein wenig zum Leidwesen meiner Mitbewohner) mein WG-Zimmer vermietet. Das Geld, das ich dann mit der Miete gespart habe, wurde dann zu meinem Flugbudget. :)
Online kann man mittlerweile wirklich super Angebote finden. Am liebsten schaue ich über SecretFlying (https://www.secretflying.com/), wenn ich noch gar keine Idee habe, wo es für mich hingehen soll oder sonst gerne auch über Momondo (https://www.momondo.de/).
Und ist der Flug erst einmal gebucht, steht euch doch nichts mehr im Weg.

Essen hättet ihr schließlich zu Hause auch kaufen müssen und ich war meistens in Ländern, in denen die Lebenshaltungskosten günstiger waren als in Deutschland. So konnte ich mir letztendlich sogar mehr leisten als hier. :)

Fehlt noch ein wichtiger Punkt: Die Übernachtung.
Mein Vorschlag dazu mag vielleicht nicht jedermanns Sache sein, aber ich kann es jedem von euch nur ans Herz legen, es zumindest einmal auszuprobieren: Couchsurfing.
Ich könnte euch unzählige Geschichten von meinen Couchsurfing-Erfahrungen erzählen. Auf meinen Reisen habe ich durch Couchsurfing so unfassbar viele tolle Menschen kennengelernt, die mir ihre Stadt, ihre Kultur, ihre Familien, Freunde und ihre Art zu leben gezeigt haben. Gerade kommen in meinem Kopf so viele schöne Erinnerungen wie auf, von denen ich eine mit euch teilen möchte.

Als ich in Florida war, hat es mich irgendwann nach North Palm Beach verschlagen. Ihr habt von der kleinen Gemeinde wahrscheinlich noch nie gehört, was nicht schlimm ist. Ich glaube, ich war zuvor in Miami und habe mich dann mit einem Zug in Richtung Norden aufgemacht. Am Bahnhof hat mich dann Gianvito abgeholt. Im ersten Moment ein Fremder, der durch lange Gespräche bis spät in die Nacht zu einem Freund geworden ist. Ginavito ist selber viel als Couchsurfer unterwegs und wollte nun etwas zurückgeben und auch andere Couchsurfer beherbergen. Er war gerade selber erst von seiner letzten langen Reise zurückgekehrt, schmiedete aber schon wieder Pläne für sein nächstes Abenteuer.
Für Gianvito ist Familie sehr wichtig und in der kurzen Zeit, in der er wieder zuhause war, wollte er auch Zeit mit seiner Familie, vor allem mit seiner alten Tante Antonia, verbringen.
Tante Antonia war eine italienische Nonna, die uns nachmittags dann immer in ihre Geheimnisse der italienischen Küche eingeweiht hat. Wir haben mit ihr gekocht, gelacht und geredet. Auf einmal war ich keine Fremde mehr, sondern auch Teil der Familie – welches Hotel kann das schon bieten?
Tatsächlich habe ich noch immer Kontakt zu Gianvito und Tante Antonia habe ich nach meiner Rückkehr eine Postkarte aus Münster geschickt, die sie stolz in ihrem Wohnzimmer aufgehangen hat. :)

Natürlich kann ich mit Melou jetzt nicht mehr einfach monatelang verschwinden und das ist auch gut so. Ich bin schließlich der Meinung, dass alles seine Zeit hat. Aber das schöne ist, dass mich meine Charmkette mit dem „World“ Charm immer an all die Abenteuer erinnert, die ich auf meinen bisherigen Reisen erlebt habe. :)